Frauenterritorien Titel

Claire Angelini

Frauenterritorien
17.9.-6.11.2026

Projektraum am Rathaus
Ankersaal Burghausen

Die bildende Künstlerin und Filmemacherin Claire Angelini widmet sich seit mehr als 25 Jahren der Fotografie, dem Film, der Installation, der Zeichnung und dem Künstlerbuch. Ihr Hauptfokus liegt auf der Auseinandersetzung mit Geschichte und der Hinterfragung, was dabei verschwiegen, bedeckt, versteckt oder verdrängt wird.

Ihr Interesse gilt Geschichten – oftmals in Archiven gefunden -, die über das Schicksal oder den Lebensweg von Frauen berichten. Mit dem Einsatz von bewegten Bildern tritt Claire Angelini den Beweis an, dass Frauen nicht nur ein berichtenswertes Schicksal haben, sondern selbst Geschichte schreiben. Eine Tatsache, die in der Geschichtsschreibung von Männern über Männer übersehen wird.

Claire Angelini stellt in der Ausstellung drei Werke gegenüber, die im Projektraum gezeigt werden – ‚Du, der‘ und ‚Segeln und Halten‘ – sowie den Langfilm ‚Jeanne is acting up‘, der in einer einmaligen Vorführung im Kino mit anschließender Diskussion gezeigt wird.

HDF Plakat Angelini

Im Projektraum stehen sich zwei Momente der Frauengeschichte des 20. und 21. Jahr­hunderts gegenüber. ‚Du, der‘ zeichnet das kollektive Porträt von Frauen des 20. Jahr­hunderts durch eine Hommage an den russisch-sowjetischen Filmemacher der Avantgarde Dziga Vertov und an die Geschichte des Kinos. Der zweite Kurzfilm zeichnet das Porträt einer Frau von heute, einer Hochleistungs-Seglerin, das die männlichen Codes des Sportfilms auf den Kopf stellt.

HDF Plakat Jeanne

Der Langfilm ‚Jeanne is acting up‘ im Ankersaal Kino beleuchtet das Leben der Bauernstochter, Jeanne Barret, die in der zweiten Hälfte des 18. Jh. als Mann verkleidet als erste bekannte Frau mit der Bougainville-Expedition die Welt umsegelte und inmitten einer von Männern dominierten Gesellschaft als Botanikerin arbeitet. Claire Angelini stösst in diesem kühnen Filmessay wesentliche Fragen des 21. Jahrhunderts an: Geschlecht, Natur, Exil sowie Wissenschaft aus weiblicher Perspektive. Im Anschluss: Claire Angelini und Matthias von Tesmar, Autor, Kurator und Co-Leiter VIDEDOX Förderpreis im Gespräch.

Du, der (17 min.)

Frankreich 2017
Französisch m. dt. UT
‚Du, der‘ ist eine filmische Hommage und ein filmisches Gedicht, das mehrere Filme des sowjetischen Regisseurs Dziga Vertov aus der Perspektive weiblicher Erfahrung neu betrachtet. Mittels des erneuten Sehens der Filme –  „Der sechste Teil der Welt“, „Symphonie Nr. 1 im Donbass“,  „Der Mann mit der Kamera“ und „Wiegenlied“-, ihrer Verlangsamung und  Erforschung sowie der neuen Deutung einzelner Fragmente , zeigt sich die Aufmerksamkeit, die der Filmemacher und seine Kameraleute den Frauen, ihrer Arbeit, ihrer Mühe, ihrem Einsatz, aber auch ihren Körpern, Gesten, Blicken und ihrem Lächeln widmeten.

Zu sehen sind  Arbeiterinnen, die zum einen voll und ganz an dem neu entstandenen sozialen Raum teilnehmen, der noch im Aufbau ist, als auch Frauen, die das Eindringen der Kamera akzeptieren und sich mit einer neuen und emanzipatorischen Handlungsmacht ausgestattet fühlen. Darin ist eine Anknüpfung neuer feministischer Praktiken zu sehen, die von Alexandra Kollontai, die 1918 an der Spitze des ersten Frauenministeriums stand, vorangetrieben wurden.

Indem der Film von Claire Angelini die Arbeiten des Filmmachers Dziga Vertov im Lichte des Feminismus „neu liest“, setzt er sich auch mit einer weiteren Dimension der Geschichte auseinander: den Kampagnen zur Entschleierung der Frauen im sowjetischen Osten, die Frauen dazu anhielt die „Parenja“ (das Äquivalent zur Burka) im Rahmen von Gruppensitzungen abzulegen. Die Wiederveröffentlichung dieser Bilder wirft somit eine Frage an unsere Zeit auf: Auch wenn der Akt der Entschleierung aus heutiger Sicht als von kolonialem Selbstbewusstsein geprägt erscheint, ist nicht nach der Emanzipation der Frauen weiterhin überall dort zu fragen, wo ihr Körper ein politisches Thema ist?

Projektraum am Rathaus
Mo bis Fr 10-18 Uhr
17.9.-18.10.2026 zusätzlich Sa und So 10-18 Uhr
Stadtplatz 112 ∙ 84489 Burghausen

Du, der

Segeln  und  Halten  (44 min.)

Frankreich 2023
Französich m. dt. UT
Der Film zeichnet ein ungewöhnliches Porträt der deutsch-französischen Spitzensportlerin Isabelle Joschke, die im Rahmen der „Vendée Globe“ mehrfach die Welt umsegelte. Hier gibt es weder heroische Erzählungen noch sensationelle Bilder. Vielmehr handelt es sich um die schlichte und nüchterne Geschichte einer jungen Frau, die mutig und zerbrechlich zugleich ist. Auf eine intime und sehr persönliche Weise vertraut die Seglerin der Autorin die tiefen Beweggründe für ihr Engagement im Einhandsegeln an und entlarvt damit den Mythos des Heldens. Das Boot, mit dem die junge Frau während ihrer Überfahrt eine Einheit bildet, wird dabei in den sich zwischen Wasser und Land bewegenden Bildern zu einem fremdartigen und beunruhigenden Objekt.

Projektraum am Rathaus
Mo bis Fr 10-18 Uhr
17.9.-18.10.2026 zusätzlich Sa und So 10-18 Uhr
Stadtplatz 112 ∙ 84489 Burghausen

Segeln und halten

Jeanne is acting up (92 min.)

Frankreich 2023
Französich m. engl. UT

Wer war Jeanne Barret, die Frau, die sich 1767 als Mann verkleidet der Weltumseglung von Bougainville anschloss? Der Film erzählt von der abenteuerlichen Geschichte der Bäuerin namens Jeanne, die 1740 im Süden des Burgunds geboren wurde. Sie war zum Dienstmädchen eines Naturforschers geworden, der 1767 an der Weltumsegelung des Entdeckers Bougainville teilnahm. Um ihn zu begleiten, musste sie sich als Diener verkleiden, da es Frauen verboten war, auf königlichen Schiffen mitzufahren.

Jeannes Schicksal stellt der Film dem Lebensweg dreier Frauen aus Madagaskar, Malaysia und Mexiko gegenüber, die in die Region emigiriert sind, die Jeanne verlassen hat. Marie-Ange, Geneviève und Yadira führen über Zeit und Raum hinweg ein Gespräch mit der Figur Jeannes, die durch eine Schauspielerin auf einer Theaterbühne verkörpert wird. Das kühne Filmessey verwebt die Lebenswege der vier Frauen miteinander und lässt im Laufe der Erzählung ein Verständnis und Gefühl dafür aufkommen, was hinter der Anonymität des Begriffs « Einwanderin » verborgen bleibt.

Ankersaal Burghausen
16.10.2026, 19 Uhr
Stadtplatz 41/42 ∙ 84489 Burghausen
ankersaal.de

Jeanne is acting up

Termine

AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG

Donnerstag 17. September 2026 um 19 Uhr

FILM „JEANNE IS ACTING UP“

Sonntag, 16. Oktober 2026 um 19 Uhr
Im Anschluss: Claire Angelini und Matthias von Tesmar, Autor, Kurator und Co-Leiter VIDEDOX Förderpreis im Gespräch

Claire Angelini

geb. 1969 in Nizza, Frankreich.

Studium an der Ecole Nationale Supérieure des Beaux-Arts, der Sorbonne Université (Kunstgeschichte) in Paris sowie an der Hochschule für Film und Fernsehen in München.

Sie lebt und arbeitet in Paris und München.

Einzelausstellungen und Filmpräsentationen
(Auswahl ab 2019):

2025 O saber do cinema Fundação Serralves, Porto
2025 Jeanne fait des siennes Circulo de Bellas Artes, Madrid
2024 Keine Nacht ohne Morgengrau Schwere Reiter, München
2023 Black and Fort Musée de Pontarlier, France
2022 On the time of others FRAC de Besançon, France
2021 Territorien/Körper Galerie Christian Pixis, München

Grurpenausstellungen und Filmpräsentationen (Auswahl ab 2019):

2026 Texte/Image 8 Topographie de l’art, Paris
2024 La guerre est proche Centre d’art contemporain, Montreuil
2023 Livres uniks 5 Topographie de l’art, Paris
2023 Zeichnung aktuell Städtische Galerie Cordonhaus, Cham
2022 Trouver asile Musée des Beaux-Arts de Dole
2022 Sachlich/Unsachlich Galerie Christian Pixis, München
2021 Toussaint au tissu du récit Artefactory, Genève
2021 Au temps des autres Musée de la Résistance, Saint-Brisson
2021 On the time of others Underdox 16, München
2020 Rire, jouer, mourir Goethe Institut, Paris
2019 Toi qui Festival Indielisboa, Portugal

Diese Ausstellung können Sie noch besuchen bis 6. November 2026

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Projektraum am Rathaus

Stadtplatz 112 ∙ 84489 Burghausen
Tel. +49 8677 4734

Öffnungszeiten

Montag bis Freitag
10:00 Uhr bis 18:00 Uhr
17.9.-18.10.2026 zusätzlich Sa und So 10-18 Uhr

Eintrittspreise

Eintritt frei